(Mein) Erlebnis Berlin-Marathon

Wenn man erzählt, man ist bei einem Marathon mitgelaufen, hört man im Freundeskreis oft viele „Boooaahs“ und „Ohhs – das könnte ich nicht. Das würde ich nie schaffen“.

Doch was macht eigentlich den „Mythos Marathon“ aus? Ist es diese Zahl „42,xx“? Im breiten Starterfeld einer Großveranstaltung sind die Erwartungen an das Lauferlebnis Marathon unterschiedlich.
Nicht selten bereiten sich Freizeitsportler bis zu einem Jahr und mit über 1.000 Trainingskilometern auf ihre Marathon-Premiere vor. Dazu gehört viel Fleiß, Ausdauer und vor allem Zeit.

Ja, Marathon laufen kostet vor allem viel (Trainings-)Zeit! Gerade wenn die letzten Wochen im minutiös durchdachten Trainingsplan anbrechen, stehen lange Laufeinheiten auf dem Programm.

Doch was passiert, wenn man sich eine der begehrten Startnummern für eine solche Großveranstaltung bereits ein Jahr vorher sichert und kurz vor der Veranstaltung feststellt, dass man alles andere als in Topform ist?
Versagt der Körper? Der Geist? Antreten zum Lauf? Oder doch besser absagen?
Aber bezahlt ist schließlich bezahlt! Und man kann ja aussteigen, wenn „nix mehr geht“. Und so stehe ich beim Berlin-Marathon 2012 mit über 40.000 anderen Teilnehmern am Start. Die Nacht war nicht allzu lang. Die Hauptstadt ist eine tolle Stadt. Nach dem Schuss läuft es sich locker los.

Es kommt zum berüchtigten Start-Stau: Stop and go. Das Publikum am Rande jubelt einen weiter. Ich schlängele mich über die blaue Linie auf der Straße, hoffe, so vielleicht noch den einen oder anderen unnötigen Meter sparen zu können. Erstaunlicherweise läuft es sich immer besser. Die Menschen winken und ich winke zurück. Ich nehme es gelassen, wenn Läufer an mir vorbeiziehen.
Bereits ab Kilometer 18 merke ich aber immer mehr, dass es mit der Ausdauer nicht so dolle bestellt ist und fluche über mich selbst und breche ein. Es beginnt ein ständiger Wechsel: gehen und wieder laufen. Doch ans Aufgeben denke ich jetzt nicht. „Hey, ich bin in Berlin und habe doch schon fast die Hälfte geschafft!“ Immer mehr Teilnehmer ziehen nun an mir vorbei und ich falle zurück ins letzte Drittel des Teilnehmerfeldes. Dort treffe ich viele „Leidensgenossen“ und erlebe – mangels Läufermasse – die Hotspots der Hauptstadt sehr intensiv.

Erstaunlich, mit wie vielen interessanten Menschen man während des Laufs „ganz hinten“ ins Gespräch kommt.
Und alle hinken nur weiter. Sie wollen auch nur ankommen. Ich schaffe es in einer unterdurchschnittlichen Gesamtzeit ins Ziel hinter dem Brandenburger Tor. Aber ich bin angekommen und fürs nächste Mal will ich trainieren.


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