Jakob Lang – der Ultraläufer aus Riegelsberg

Es gibt Menschen, den könnte man stundenlang zuhören, wenn sie über ihr Leben reden.
Jakob Lang ist so ein Mensch. Der 72-jährige Riegelsberger erzählt davon, dass er mit 17 Jahren die 100 Meter in 11,0 Sekunden lief. Und war damit nur eine Sekunde langsamer als der in Quierschied geborene Armin Hary, der ein paar Monate später den 100-Meter-Weltrekord aufstellte.

„Ich lief ja damals mit keinen besonderen Schuhen und ohne Spikes. Sonst wäre ich vielleicht noch schneller gewesen“, schmunzelt Lang.
Er erzählt auch, wie er beim New York Marathon durch einen glücklichen Umstand ganz vorne in der ersten Reihe mit all den Spitzenläufern aus Kenia starten durfte. Und Jakob Lang erzählt von der Weltmeisterschaft im 100-Kilometerlauf in Gibraltar. Dort wurde er Vizeweltmeister in seiner Altersklasse. An die Siegerehrung denkt er noch heute gerne zurück. „Die Nationalhymne wird gespielt. Man bekommt eine Medaille verliehen und ganz viele Menschen jubeln einem zu. Das war ein perfekter Augenblick“, erinnert sich Lang.

Ehrgeiz, Disziplin und den Willen, immer wieder den „inneren Schweinehund“ zu überwinden, das sind Tugenden, die er nicht nur in seiner Sportlerkarriere, sondern auch beruflich immer wieder zeigte. Nach einer Lehre als Landwirt, holte er erst sein Abitur nach und begann dann Jura zu studieren. Erst in München, später an der Universität des Saarlandes. Während manche seiner damaligen Kommilitonen zehn oder sogar zwölf Semester brauchten, legte er das Erste Staatsexamen bereits nach sieben Semestern ab. „Meine Frau war zweimal mit Zwillingen schwanger. Als vierfacher Vater blieb mir gar nichts anders übrig als schnell fertig zu werden“, erzählt der Riegelsberger. Jakob Lang war nach seinem Studium zunächst Staatsanwalt, dann Richter am Saarbrücker Sozialgericht.

Sport machte er viele Jahre während seines Berufslebens nicht mehr. Erst mit 50 Jahren startet er seine Läuferkarriere, nachdem ihm ein Arzt geraten hatte, wieder mit dem Laufen anzufangen.Kein halbes Jahr später lief Lang schon seinen ersten Marathon.
Jakob Lang suchte fortan neue Herausforderungen und landete bei den 100-Kilometerläufen. Was ihn immer wieder reizt, ist das Überwinden der eigenen Grenzen. „Bei einem Marathon kommt meistens nach 32 Kilometern einmal der Mann mit dem Hammer vorbei. Bei den 100- Kilometerläufen kommt er sehr viel öfters. Den Willen zu finden, dann an die Grenzen des Möglichen zu gehen – das ist es, was mich bei diesen Läufen reizt.“

Und so wird er im nächsten Jahr an einem 48-Stunden-Rennen teilnehmen. Ein nächstes Ziel von Jakob Lang ist der Jakobsweg mit rund 800 Kilometer - aber natürlich will er diesen nicht wandern, sondern laufen.


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