Blindes Vertrauen? Eine sehbehinderte Läuferin und ihre Trainerin im Interview

Laufen ist für sehr viele Menschen der ideale Sport und eine willkommene Abwechslung zum beruflichen Alltag. Doch nicht jeder Sportler kann bei Lust und Laune einfach losstarten. So gibt es auch stark sehbehinderte und gänzlich blinde Läufer, die sich aber nicht davon abhalten lassen, ihrem geliebtem Hobby nachzugehen - sei es beim Joggen im Wald, bei Zehn-Kilometer-Läufen oder auch leistungssportorientiert in einem Verein. Die LaufSzeneSaar hat sich mit der Leiterin des Paralympischen Trainingsstützpunktes Saarbrücken, Evi Raubuch, und einer ihrer Topathletinnen, Baschira Tahar, unterhalten.

Frau Raubuch, die an der Nervenkrankheit Ataxie leidende Claudia Nicoleitzik ist aufgrund ihrer großen internationalen Erfolge mit Sicherheit das Aushängeschild des Paralympischen Trainingsstützpunktes Saarbrücken. Zu ihrem Kader gehören aber auch stark sehbehinderte Athleten. Wie gestaltet sich die Trainingsarbeit mit diesen Sportlern?

Evi Raubuch: Unser Stützpunkt war erst zu Beginn des Jahres 2013 entstanden. Und natürlich sind die tollen Erfolge von Claudia Nicoleitzik ein großer Ansporn für die gesamte Trainingsgruppe. Wir haben hier Sehbehinderte mit einem Sehvermögen von unter zehn Prozent. Im Training versuchen wir immer, alles mit den Nichtbehinderten zusammen zu machen- dies stärkt beide Seiten. Wichtig ist nur, dass die Laufstrecke frei ist, damit keine Unfälle passieren. Wer gar nichts sieht, muss einen Begleitläufer mit dabei haben. Ansonsten gibt es in der Behinderten- und Nichtbehinderten-Leichtathletik die exakt gleiche Trainingslehre. Wir kommen an unsere Athleten leider nur über die Förderschulen ran. Die Namen von behinderten Sportlern, die integrativ an anderen Schulen sind, werden aufgrund des Datenschutzes leider nicht herausgegeben. Deswegen ist es schwierig, Kontakt zu diesen Athleten aufzunehmen.

Frau Tahar, Sie sind 19 Jahre alt und Ihr Stammverein ist der TV Püttlingen. An welcher Behinderung leiden Sie und in wie weit schränkt Sie dies beim Training ein?

Baschira Tahar: Ich leide seit meiner Geburt unter Albinismus. Bei dieser Krankheit fangen die Augen zu zittern an. Meine Sehstärke schwankt immer zwischen fünf und 15 Prozent. Ich bin in verschieden Sprintdisziplinen und im Weitsprung aktiv. Mein Training gestaltet sich eigentlich ganz normal. Wichtig sind eigentlich nur Zurufe, wenn Hindernisse auftreten. Ich war auch schon oft im Wald alleine joggen. Solange ich die Strecke kenne, ist das kein großes Problem. Allerdings machen mir die Sprintdisziplinen mehr Spaß als die zehn Kilometer. Ich will mich jetzt auf die 400 Meter spezialisieren und hoffe auf eine Teilnahme bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. Und an dieser Stelle möchte ich einmal einen Appell an andere Behinderte loswerden: Es macht einfach großen Spaß, sich beim Sport auszutoben. Ich finde, eine Sehbehinderung ist kein Grund, dies nicht zu tun. Wir sollten ein Leben so normal wie irgendwie möglich führen.              


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