„Das Laufen ist eine Leidenschaft“ – Jonas Lehmann

Der Schein der Fackeln erfüllt die dunklen Straßen der malerischen Innenstadt. Am Streckenrand stehen zahlreiche Menschen dicht beieinander, wärmen sich in der Kälte der Winternacht. Und auf der Strecke bahnen sich 500 Läufer ihren Weg durch Ottweiler. Unter ihnen ist Jonas Lehmann. Der 24-Jährige aus Limbach hat bereits im Vorjahr den zweiten Platz beim Nachtwächterlauf über zehn Kilometer belegt. 2013 liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Heiko Baier (LG Braunschweig), wird am Ende mit etwa acht Sekunden Rückstand erneut Zweiter. Lehmann nimmt häufig an dieser Veranstaltung teil. „Der Termin in der Vorweihnachtszeit und das Laufen im Dunkeln bieten ein ganz besonderes Flair“, sagt er.

Obwohl Lehmann für den TuS Heltersberg an den Start geht, ist er regelmäßig im Saarland unterwegs – ob beim Nachtwächterlauf oder dem Neunkircher Citylauf. „Mir kommen dort die leicht profilierten Strecken entgegen“, erklärt er. Sein Augenmerk liegt jedoch woanders – nicht auf den flachen Strecken, sondern auf Hügeln und Bergen. „Was den Berglauf so faszinierend macht, ist diese zusätzliche Komponente ‚Berg’, die man eben bei einem flachen Lauf nicht hat. Man muss sich sein Rennen viel besser einteilen, viel mehr in sich hinein hören und sich eben auch der Strecke mehr anpassen“, schwärmt Lehmann: „Man kann eine Berglaufstrecke nicht einfach so abspulen. Ich finde, es ist ein sehr interessantes Laufen, zumal man auch sehr viel in der Natur unterwegs ist.“

Das Laufen ist eine Leidenschaft, die Jonas Lehmann schon früh für sich entdeckt hat. Im Grundschulalter war in der Leichtathletik-Gruppe des TV Limbach, „damals bin ich schon immer am liebsten gerannt“. Vor zehn Jahren schloss er sich dort der Laufgruppe an, lief jede Woche zehn bis zwölf Kilometer – und das Pensum erhöhte sich stetig. Lehmann startete bei ersten Wettkämpfen, auch bei Volksläufen in der Pfalz. „Ich war dann auch oft als einziger Läufer des TV Limbach dort unterwegs. Da die Heltersberger ja sowohl zahlenmäßig als auch qualitativ immer gut vertreten waren und sind, kam dann schnell der Kontakt zu Stande“, erklärt Lehmann seinen Vereinswechsel vor etwa vier Jahren: „So ergab sich dann auch die Möglichkeit, mit einer starken Mannschaft bei Wettkämpfen zu starten, wie bei der Berglauf-DM.“
2011 holte er dort bei den Junioren in Oberstdorf den Titel, im vergangenen Jahr gewann er in Bergen die Mannschaftsmeisterschaft. Neben der DM gehört der Pfälzer Berglaufpokal, bei dem Lehmann seit fünf Jahren startet, zu den wichtigsten Wettkämpfen – in den letzten beiden Jahren war der Limbacher bei der Serie nicht zu schlagen. „Im letzten Jahr hatte ich am Potzberg und an der Kalmit mit Heiko Baier einen richtig starken Konkurrenten, der mir das Leben sehr schwer gemacht hat“, erinnert sich Lehmann. Doch beide Male konnte er Baier hinter sich lassen.

Mittlerweile trainiert Lehmann sechs Mal pro Woche, kommt auf 70 bis 90 Kilometer. Mit jedem Wettkampf will er sich steigern, „meine Bestzeiten immer noch um ein paar Sekunden nach unten drücken. Reizen würde mich – irgendwann einmal – der Inferno Halbmarathon in Lauterbrunnen in der Schweiz. Da kommen zu den 21,1 Kilometern noch 2100 Höhenmetern hinzu.“ Die Höhe reizt den Bergläufer nun mal. Auch wenn es Ausnahmen gibt, wie den atmosphärischen Nachtwächterlauf in Ottweiler.


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