Susanne Hahn – Kinderspielplatz statt Laufstrecke

Kinderspielplatz statt Laufstrecke, Babybrei statt Trainingsplan. Susanne Hahn hat im vergangenen Sommer eine Entscheidung getroffen. Eine Entscheidung für die Familie und gegen den Leistungssport. Nach 20 Jahren als Spitzenläuferin hat die 36-Jährige am 21. September 2014 ihre Karriere mit einem Sieg beim Gourmet-Halbmarathon in Saarbrücken beendet, um sich nun voll und ganz ihrem Ehemann Frank und den beiden Söhnen, dem vierjährigen Michael und dem einjährigen Benjamin, zu widmen.

„Es war von vorneherein schon ein Abschied auf Raten“, sagt Hahn, die mit ihrer Familie in Troisdorf lebt: „Ich habe ja nach der Geburt meines ersten Sohnes schon ein Comeback hingelegt. Und es war klar, dass das bei dem zweiten Kind nicht mehr so geht. Für zwei Kinder braucht man mehr Zeit, und die will ich auch einfach nutzen. Ich will mit ihnen spazieren und auf den Spielplatz gehen.“
Ihren Abschiedslauf hat Hahn bewusst ausgewählt. „Der Gourmet-Marathon wird von meinem Verein SV schlau.com Saar 05 veranstaltet. Und ich wollte ihm damit danken, ich habe mich in diesem Verein immer sehr wohlgefühlt“ – und zahlreiche Erfolge gefeiert. Bei 58 Teilnahmen an deutschen Meisterschaften hat Susanne Hahn 33 Einzel- und 20 Mannschaftsmedaillen gewonnen. Aber es sind nicht die Medaillen, die der zweifachen Mutter in Erinnerung bleiben werden. „Ich bin mit so vielen Leuten zusammengekommen, in den Wettkämpfen, den Trainingslagern. Ich habe unzählige Menschen und Situationen kennengelernt, die mir sehr viel gegeben haben.“
Nachdem sie als Crossläuferin eingestiegen war, wechselte sie wegen einer Pollenallergie vor über zehn Jahren in den Marathon-Bereich. Ihre sportlichen Höhepunkte waren dort die beiden Starts bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, wo sie trotz schwerer Magenprobleme 52. wurde, und 2012 in London, wo sie als 32. ins Ziel kam. „Wenn ich auf die Olympischen Spiele zurückblicke, werde ich im Nachhinein immer stolzer. Aber als Sportler erlebt man Olympia immer ganz anders. Man ist ganz angespannt und will alles richtig machen. Der Leistungsanspruch ist immer hoch, nicht nur von außen, sondern auch von einem selbst“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Vor dem Fernseher ist es auf jeden Fall bequemer. Die Spiele 2016 in Rio de Janeiro werden ich entspannt vor dem Fernseher verfolgen.“
Das Karriere-Ende heißt jedoch nicht, dass sich Susanne Hahn vollkommen aus dem Laufsport verabschiedet. „Ich laufe in Ruhe und für mich weiter, momentan gehe ich noch vier bis fünf Mal in der Woche raus“, sagt Hahn, die Botschafterin für die SOS-Kinderdörfer ist: „Ich will ja auch fit bleiben. Und bei kleinen und interessanten Wettkämpfen mache ich auch gerne noch mit.“ Bei kleinen, aber nicht mehr bei den großen. Die tauscht sie jetzt gegen den Spielplatz.


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