Senkrechtstarterin - Svenja Thös

Vor etwa drei Jahren konnte Svenja Thös noch nicht mal anständig schwimmen. „Viel mehr als 30 Meter durchkraulen ging nicht“, erzählt sie und lacht. Im Januar 2012 stieg sie aber regelmäßiger ins Wasser. Etwas anderes blieb ihr auch nicht übrig. Denn bereits im Mai desselben Jahres stand für sie der Ironman 70.3 auf Mallorca an. „Condor hat damals eine Ausschreibung gemacht“, sagt sie: „Ich habe mich beworben, weil ich gedacht habe, dass so ein Triathlon doch eine nette Sache ist. Und dann habe ich tatsächlich die Bestätigung erhalten. Das war mein allererster Wettkampf.“ Obwohl sie nicht wirklich professionell trainiert hatte, wurde Thös Zweite in ihrer Altersklasse – Triathlon-Trainerin Claudia Hille aus Frankfurt erkannte ihr Talent. Mittlerweile arbeiten die beiden zusammen. Die Folge: Svenja Thös wurde 2014 in Kanada WM-Dritte über die Ironman-Halbdistanz, in Wiesbaden Vize- Europameisterin beim Ironman 70.3 und Europameisterin über die Mitteldistanz in Paguera.
Podiumsplätze bei WM und EM – das wäre für die 23-Jährige aus Friedrichsthal vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen. „Als ich elf Jahre alt war, habe ich meine Dalmatiner-Hündin Alissa bekommen. Am Anfang bin ich immer mit dem Fahrrad neben ihr hergefahren und später mit ihr gejoggt.“ Viel mit Triathlon hatte das noch nicht zu tun. „Der Ironman auf Mallorca hat mich dann richtig infiziert“, sagt sie. Doch während es anfangs nur um den Spaß ging, hat sie nun der Ehrgeiz gepackt. Bei der WM in Kanada hätte es dabei sogar fast für den Titel gereicht. Thös kam zwar nur als 16. aus dem Wasser, holte aber schon auf dem Rad auf und lieferte die schnellste Laufzeit ab. Die besser Platzierten kamen nur wenige hundert Meter vor ihr ins Ziel.
Doch die Wettkämpfe und das nun professionelle Training kosten auch viel Kraft. Denn nebenbei studiert Thös Englisch und Sport auf Lehramt und arbeitet als Flugbegleiterin bei Condor. „Condor ist mein Hauptsponsor und übernimmt auch die Flüge zu den Wettkämpfen. Als Flugbegleiterin muss ich auch nur an zwei Wochenenden im Monat arbeiten.“ Trotzdem ein hoher Aufwand. „Im letzten Sommer habe ich mich etwas übernommen, vor allem mit dem Studium. Die Uni kommt mir zwar auch oft entgegen, aber nächstes Jahr lege ich vielleicht ein Urlaubssemester ein.“ Der Grund ist naheliegend. Nach ihren bisherigen Erfolgen überlegt Thös, 2015 oder 2016 die Profilizenz im Triathlon zu erwerben. „Mein Ziel ist es, noch mal auf Hawaii zu starten“, sagt Svenja Thös: „Und vielleicht auch, dort zu gewinnen.“ Nach ihrem rasanten sportlichen Anstieg wäre das gar nicht mal so unwahrscheinlich.


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