Vom Mehrkämpfer zum Spitzenläufer

Athletisch, flinke Beine, eine starke Kondition – Eigenschaften, von denen Tobias Blum vor zehn Jahren weit entfernt war. „Ich war damals stinkfaul“, erzählt er und lacht: „Es war schon extrem, ich war früher ziemlich kräftig, beim Fußballspielen habe ich immer nur im Tor gestanden.“ Damals war es kaum vorstellbar, dass aus dem lauffaulen Jungen irgendwann einmal ein Kandidat für internationale Meisterschaften auf der langen Strecke, im Cross- und Hindernislauf wird. Doch der mittlerweile 20-Jährige aus Dudweiler hat das Gegenteil bewiesen.

Als er im Alter von zehn Jahren an den Schullauf-Meisterschaften teilnahm, lernte er seinen Trainer Franz-Josef Reinhard kennen, der ihn davon überzeugte, der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal beizutreten. „Wir haben direkt gesagt, dass wir das Training breit aufbauen und erst später spezialisieren“, erzählt Blum: „Man muss immer erst schauen, wie sich der Athlet im Laufe der Jahre entwickelt, auch körperlich.“ Jahrelang war Blum als Mehrkämpfer erfolgreich, belegte bei den deutschen Meisterschaften 2011 den elften und 2012 den 13. Platz. „Bei den Sprungdisziplinen oder auch im Speerwurf war ich immer recht erfolgreich“, erinnert sich Blum: „Das Problem war immer nur die Schnelligkeit bei den Sprintdisziplinen.“

Als er sich vor einigen Jahren in Losheim die Zehn-Kilometer-Distanz stellte, „dachte ich, ich würde sterben“, erzählt Blum: „Ich habe damals 47 oder 48 Minuten gebraucht. Aber mit dem Training wurde die Zeit immer um ein paar Minuten besser.“ Das Potenzial über die längeren Strecken machte sich bemerkbar – und das Potenzial neben der ebenen Strecke. „Ich laufe immer viel im Wald, das liegt mir einfach. Wenn es mal bergauf geht, macht mir das nicht so viel aus wie anderen.“ Im Crosslauf gelang Blum im Winter 2014 der Durchbruch: Er qualifizierte sich für die U20-Europameisterschaften im Dezember in Bulgarien. Doch wenige Tage vor seinem ersten internationalen Start kam der Rückschlag: Im Trainingslager zog er sich einen Kapselriss im linken Fußknöchel zu – der EM-Traum war geplatzt. „Bei der EM hätte ich mit einer Top-Ten-Platzierung rechnen können“, sagt Blum: „Das war schon sehr enttäuschend. Aber jetzt hoffe ich in diesem Jahr auf die U23-EM an der Côte d’Azur.“

Trotz seiner guten Chancen liegt der Fokus aber auf dem Hindernislauf: „Die Crossläufe sind nicht so hoch angesiedelt. Bei den Hindernisläufen kann man später eher zu den ganz großen Wettkämpfen fahren“, sagt Blum. Die Qualifikations-Norm für die U23-EM in Estland liegt über 3000 Meter Hindernis bei 8:46 Minuten – „das ist schon sehr flott für mein erstes Jahr bei der U23“, sagt Blum, der neben seinem Studium zum Wirtschaftsingenieur noch zwei bis drei Mal täglich trainiert: „Wenn es noch nicht klappt, ist das nicht tragisch, ich habe in der Altersklasse ja noch zwei Jahre Zeit. Ich will es aber auf jeden Fall in den Bundeskader schaffen.“ Ein Ziel, das vor einigen Jahren kaum denkbar gewesen wäre – und das nun gar nicht mehr unrealistisch erscheint. 


 ;